Filz-Vorwürfe um das Zürcher Koch-Areal

Filz-Vorwürfe um das Zürcher Koch-Areal

Das besetzte Gebiet soll überbaut werden. Bei der Ausschreibung wurde ein Bewerber gar nicht erst eingeladen. Ein anderer vermutet, seine FDP-Nähe sei im rot-grün regierten Zürich ein Problem.

Auf dem Koch-Areal soll es weiterbrodeln. Das finden für einmal nicht die 100 bis 150 Besetzer, die auf dem Gelände hausen, sondern die drei Bauträger, die in Zürich Albisrieden ab 2021 «ein buntes, lebendiges und gut durchmischtes Quartierzentrum» erstellen dürfen. Das Credo haben sie an den Anfang ihrer Eingabe für die Bauträgerausschreibung gestellt, für die sie sich erfolgreich beworben haben. Der Stadtrat hat sich für die beiden Baugenossenschaften ABZ und Kraftwerk 1 sowie für die Immobilienentwicklerin Senn AG entschieden. Am Mittwoch haben die Stadträte Daniel Leupi (gp.) und André Odermatt (sp.) diesen «Meilenstein» vor den Medien verkündet. 2023 soll die Überbauung mit 370 gemeinnützigen Wohnungen, einem grossen Gewerbehaus und einem Quartierpark fertig sein.

Doch brodeln soll es nicht nur auf dem künftigen Dorfplatz. Schon heute brodelt es hinter den Kulissen. Über den Entscheid des Stadtrats sind nämlich nicht alle glücklich. Allen voran eine der unterlegenen Konkurrentinnen im Wettstreit um die Ausschreibung: die Baugenossenschaft Zurlinden (BGZ). Sie ist Teil eines von insgesamt fünf Teams, die sich um den prestigeträchtigen Grossauftrag beworben hatten. Deren Präsident, Urs Frei, kritisiert das Auswahlprozedere der Stadt scharf. Gegenüber der NZZ spricht er von einer reinen «Pro-forma-Ausschreibung», die Gewinner seien von Anfang an festgestanden. Berücksichtigt worden seien «die üblichen Verdächtigen»: Die ABZ als grösste Baugenossenschaft der Stadt und das Kraftwerk 1, das mit seiner stark links-grün gefärbten Ideologie zu den Liebkindern des Stadtrats gehöre.

Verärgerte Mitbewerber

Freis Kritik greift noch tiefer: Er spricht von einem regelrechten «Klüngel» bei der Vergabe von städtischen Baurechten. Im gegenwärtigen Fall des Koch-Areals macht Frei dies unter anderem an einer Personalie im zehnköpfigen Beurteilungsgremium fest, an dessen Empfehlung sich der Stadtrat gehalten hat. Andreas Wirz hatte Einsitz als Vertreter des Verbands Wohnbaugenossenschaften (WBG). Er war aber auch Mitbegründer von Kraftwerk 1 und dessen Vorstandsmitglied von 1994 bis 2003. Für Urs Frei ergibt sich daraus ein Interessenkonflikt: «Säuhäfeli, Säudeckeli.»

Das zuständige Finanzdepartement erklärt auf Anfrage, dass Andreas Wirz in der Jury ohne Stimmrecht aufgetreten sei. Darum habe er bei wichtigen Entscheiden gar nicht in den Ausstand treten können. Sein Einsitz im Gremium erkläre sich daraus, dass die städtische Liegenschaftsverwaltung die Bauträgerausschreibung zusammen mit WBG und dem Büro Wüest Partner vorbereitet habe. Je zwei Vertreter hätten als Fachexperten im Beurteilungsgremium gewirkt. Sachexperten mit Stimmrecht seien hingegen ausschliesslich Mitarbeiter der Stadt Zürich gewesen.

Urs Frei von der BGZ vermutet, dass die Stadt beim Koch-Areal nicht rein fachlich, sondern vor allem politisch entschieden habe. Die BGZ ist eine sogenannte Unternehmergenossenschaft, die vorwiegend von KMU getragen wird. Politisch ist sie neutral, aber doch «FDP-nah», wie Frei sagt. «Das ist der Stadt anscheinend suspekt.» Dabei hätte er vielleicht erreichen können, dass die Freisinnigen ihre Initiative zum Verkauf des Koch-Areals an einen Privaten zurückgezogen hätten, sagt Frei. Weiter führt er drei Ausschreibungen in jüngster Vergangenheit an, bei denen die «Zurlinden» trotz «hervorragenden Offerten» nicht berücksichtigt worden sei: Grossüberbauungen beim Waidspital, an der Obsthalden- und der Zollstrasse. Das Finanzdepartement bestreitet die Vorwürfe. Die BGZ habe in der Vergangenheit durchaus Zuschläge erhalten. Derzeit halte sie vier Baurechte: die Siedlungen Vista Verde in Leimbach, Limmat in Höngg sowie Bachwiesen und A-Park in Albisrieden. Alle Vergaben reichen mehrere Jahre zurück. Von einer konsequenten Nichtberücksichtigung könne aber nicht die Rede sein.

Beim Koch-Areal anerkannte die Jury das «visionäre Gesamtkonzept» der BGZ, das zum Beispiel einen «Foodhub» vorsah. Der Bezug zum übrigen Quartier sei aber schlecht gelöst – und das Koch-Areal sei der falsche Standort «für dieses pionierhafte Konzept», befand das Gremium. Wie die Mobimo will auch die BGZ nicht juristisch gegen den abschlägigen Entscheid des Stadtrats vorgehen. «Das bringt sowieso nichts», sagt Präsident Urs Frei resigniert. «Letztlich sitzen wir am kürzeren Hebel.»