«Liebe Corine» – Stadtrat Filippo Leutenegger, ganz persönlich

«Liebe Corine» – Stadtrat Filippo Leutenegger, ganz persönlich

NZZ, 4.1.2018

Der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger schreibt im «Tagblatt» Briefe: an Politiker beispielsweise. In der neusten Kolumne erklärt er Stadtpräsidentin Corine Mauch, was er alles besser machen würde als sie.

Die Mitglieder des Zürcher Stadtrats regieren nicht nur, sie schreiben auch. Davon können sich Zürcherinnen und Zürcher einmal in der Woche überzeugen, wenn im «Tagblatt der Stadt Zürich» die Kolumne «Persönlich» erscheint, in der die Stadträte über all das schreiben dürfen, was ihnen am Herzen liegt oder über die Leber gelaufen ist. Ein wahrer «Persönlich»-Meister ist der Schulvorstand Gerold Lauber, der in diesem Gefäss nicht nur den Verzicht auf eine weitere Kandidatur bekanntgegeben hat, sondern sich gern auch einmal internationale Politiker zur Brust nimmt. Seine Aussagen über Donald Trump («ein selbstverliebter Meister der Bösartigkeit und des Absurden») hatten sogar ein kleines parlamentarisches Nachspiel.

Einen eigenen Stil hat auch Filippo Leutenegger, der Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements – und Kandidat fürs Zürcher Stadtpräsidium. Er schreibt in seinen «Tagblatt»-Kolumnen Briefe; an Politiker beispielsweise, denen er eines seiner aktuellen Projekte nahebringen will, an den Sturm, der ihm dieses Jahr ein paar schöne Ideen wegblies, aber zum Beispiel auch an die kleine Fanny, die traurig darüber war, dass man einen grossen Baum vor ihrem Haus umgehauen hatte. Der neuste Brief richtet sich an die «liebe Corine», der er ausführlich erklärt, was er als Stadtpräsident besser machen würde als sie – um dann aber versöhnlich zu enden: «Trotz aller Unterschiede: Wir beide lieben Zürich. Wir respektieren einander. So wünsche ich dir und unserer Stadt es guets Neus und einen respektvollen Wahlkampf.»

Wir wünschen das uns und der Stadt natürlich auch, können aber nicht umhin, unsere Verwunderung darüber auszudrücken, dass da ein Mitglied des Stadtrats dem andern etwas per Kolumne mitteilt. Erklären können wir es uns nur damit, dass Leutenegger seine Kollegin nach der langen Festtagspause bereits etwas vermisst. Da können wir allerdings beruhigen: Am nächsten Mittwoch findet die nächste Stadtratssitzung statt, und der Wahlkampf wird auch noch ein paar Gelegenheiten zur persönlichen Begegnung bieten.