In Beatles-Manier auf Stimmenfang

20 Minuten Bild – Medienbericht

In Beatles-Manier auf Stimmenfang

 

FDP, CVP und SVP wollen bei den nächsten Wahlen gemeinsam den Zürcher Stadtrat erobern. Die Stimmung zwischen den Kandidaten sei so gut wie seit Jahren nicht mehr.

 

«Das Ende von Links-Grün ist hier», sagte der Stadtzürcher FDP-Präsident Severin Pflüger zu Beginn der Top5-Präsentation vom Montagmorgen. Mit Top5 ist das bürgerliche Ticket für die Stadtratswahlen im nächsten März gemeint, bestehend aus den FDP-Kandidaten Filippo Leutengger und Michael Baumer, CVP-Kandidat Markus Hungerbühler und den SVP-Kandidaten Susanne Brunner und Roger Bartholdi. Denn künftig soll der Stadtrat nicht mehr aus sechs Rot-Grünen «und ein paar verschupften Bürgerlichen» bestehen, wie Pflüger sagt.

 

Unter den bürgerlichen Kandidaten herrsche eine Harmonie, wie seit Jahren nicht mehr: «Darauf bin ich besonders Stolz – wir arbeiten nicht nur gut zusammen, sondern verstehen uns auch gut auf persönlicher Ebene», sagt Filippo Leutenegger, der einzige Kandidat, der bereits im Stadtrat vertreten ist.

 

Start-ups fördern und weniger regulieren

Ein Thema, das besonders im Fokus der Kandidaten liegt, ist die Förderung des lokalen Gewerbes. Laut Leutenegger dürfe man bei den Parkplätzen keine Kahlschläge mehr machen, damit man den Läden nicht schade: «Ausserdem müssen wir Start-ups – besonders im digitalen Bereich – mehr fördern und weniger regulieren.» Und auch die Steuern will der Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartments senken.

 

Economiesuisse-Geschäftsstellenleiterin Susanne Brunner (45) stellt zudem fest, dass das Gewerbe unter übertriebenen Vorschriften leide – beispielsweise habe die Stadtpolizei ein mehrseitiges Merkblatt für sogenannte Passantenstopper, die Detailhändler auf Trottoirs aufstellen.

 

IT-Unternehmer Michael Baumer (42) sagt, dass die Stadt in der digitalen Entwicklung noch massiv Luft nach oben habe: «Heute müssen Stadtzürcher für Anträge oder Auszüge Files herunterladen, ausdrucken, von Hand ausfüllen, abgeben oder abschicken und dann muss es wieder von Hand erfasst werden – das könnte man deutlich effizienter gestalten.» Zudem müsse man zwingend auf das Bevölkerungswachstum in der Stadt Zürich reagieren. «Private und Genossenschaften sollen innerhalb des jetzigen Raums dichter bauen können – Grünzonen müssen erhalten, gepflegt oder gar ausgeweitet werden», so Baumer, der seit 2003 im Zürcher Gemeinderat sitzt.

 

Schulhäuser müssen keine Architekturpreise gewinnen

Markus Hungerbühler, Geschäftsleiter des regionalen Baumeisterverbands, will Zürich als Bildungsstadt weiter fördern, aber ohne bauliche Sonderwünsche: «Schulhäuser müssen keine Architekturpreise gewinnen – das Geld ist in der Bildung besser aufgehoben.» Zudem hat er auch Pläne zum Thema Sicherheit. «Hausbesetzungen, unbewilligte Demonstrationen und Saubannerzüge müssen gezielt verhindert werden», so der 42-Jährige, der seit 2011 im Gemeinderat politisiert.

 

UBS-Banker Roger Bartholdi sieht rot für die finanzielle Zukunft der Stadt: «Fremdkapital und die Schuldenlast müssen reduziert und nicht stetig erhöht werden.» Für die jetzige Finanzpolitik gelte das Motto «lebe heute, was kümmern mich die Schulden von morgen?» und das sei unverantwortlich, sagt der 48-jährige SVPler, der 2002 in den Gemeinderat gewählt wurde.

 

Ebenfalls am Montagmorgen wurde bekannt, dass neben Corine Mauch (SP) und Filippo Leutenegger auch die Grünliberalen mit ihrem Kantonsrat Andreas Hauri einen Kandidaten ins Rennen ums Stadtpräsidium schicken. «Ich habe kein Problem mit Konkurrenz und mache mir auch keine Sorgen, dass mich eine GLP-Kandidatur Stimmen kosten könnte», so der 64-jährige Leutenegger.

 

Quelle: 20 Minuten