Bürgerliche im Blitzlichtgewitter

Tagesanzeiger Bild – Medienbericht

Bürgerliche im Blitzlichtgewitter

 

Die «Top 5» der FDP, CVP und SVP üben sich zum Wahlkampfauftakt im Schulterschluss. Nicht alle verbreiten die gleich gute Laune.

Die Gerüchte vom letzten Winter sollten ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Wirtschaftsverbände drohten, die bürgerliche Wahlkampagne nicht zu unterstützen, sollten die Zürcher Stadträte Gerold Lauber (CVP) und Andres Türler (FDP) nicht zurücktreten, hiess es im Dezember in der «NZZ am Sonntag». Frische Kräfte und ein Fünferticket müssten her. Robert E. Gubler, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Forum Zürich und Dompteur des bürgerlichen Wahlkampfs, dementierte die Aussagen.

Doch genau so kam es. Türler und Lauber gaben ihre Rücktritte bekannt, die Bürgerlichen schafften den Schulterschluss, und am Montagmorgen haben sich die «Top 5» in fröhlicher Einigkeit unter dem Motto «Zukunft gestalten statt bevormunden und verwalten» den Medien präsentiert.

«Wir verstehen uns auch persönlich gut»

Ein blau collagierter Löwe wird die Kandidaten Michael Baumer (FDP), Susanne Brunner (SVP), Filippo Leutenegger (FDP), Markus Hungerbühler (CVP) und Roger Bartholdi (SVP) in der Wahlkampfkampagne begleiten. Dazu ein Foto, das «im Fall» nicht montiert sei, wie Stapi-Kandidat Leutenegger betonte. Alle seien für das Bild anwesend gewesen. Zu fünft. «Wir verstehen uns auch persönlich gut.»

Wie zum Beweis strahlt Economiesuisse-Frau Susanne Brunner in den schicken Saal im oberen Stock des Hotels Schweizerhof, und Nicole Barandun, Co-Präsidentin des überparteilichen Wahlkomitees und ebenfalls Mitglied beim Forum Zürich, nickt. SVP-Präsident Mauro Tuena kümmert sich um die Powerpoint-Präsentation, und Leutenegger schafft es fast jedes Mal, in die Kamera zu lächeln, wenn der Pressefotograf auf den Knopf drückt.

Leutenegger fordert, dass die finanziellen Überschüsse der Stadt für Steuersenkungen genutzt werden, und will den Weg für Innovationen wie selbstfahrende Transporter frei machen.

Gewerbe über alles

Unüberhörbar am einfachsten konnten sich die «Top 5» auf das Schlagwort «Gewerbe» einigen. Es wurde zum tragenden Thema der Medienkonferenz. «Für eine gewerbe- und wirtschaftsfreundliche Politik», sagt Barandun, Präsidentin des städtischen Gewerbeverbandes. «Die Parkplätze in den Gewerbezonen müssen erhalten werden», fordert Leutenegger. «Mit Top 5 wird in Zürich wieder Politik fürs Gewerbe und die Wirtschaft gemacht», schliesst Brunner ihre Rede. Und Markus Hungerbühler schmettert hinterher: «Es kann nicht sein, dass die Menschen im Gewerbe drangsaliert werden und die Besetzer machen können, was sie wollen.» Von niemandem angesprochen wird die Migrationspolitik.

Es ist CVP-Kandidat Hungerbühler, der mit Abstand den markigsten Ton anschlägt, auch ohne abzulesen: «Es ist schön, wenn Schulhäuser Architekturpreise gewinnen. Es ist aber auch nicht unbedingt nötig.» Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei ein Anliegen der Wirtschaft. Das Feld solle aber den privaten Anbietern überlassen werden, fordert der frischgebackene Vater eines Leihmutter-Kindes. Um dann noch auf die Law-and-Order-Pauke zu hauen: «In Zürich sollte man sich auch weiterhin sicher fühlen.» Besetzungen, unbewilligte Demos und Saubannerzüge seien fehl am Platz, «denn sie führen zu einer Untergrabung der Staatsgewalt».

Gereizter Hungerbühler

Vielleicht ist Hungerbühler etwas gereizt wegen der Schlagzeilen vom Morgen: «Flug nach Sitten – Kritik an Stadtratskandidat», stand in «20 Minuten». Gereizt reagiert er jedenfalls auf die Nachfrage: «Reisen ist nun mal mein Hobby!», wiederholt er laut und fügt mit Seitenhieb auf seine Gemeinderatskollegin und Konkurrentin Kathrin Rykart (Grüne) an: «Wenn man es nur dank Negativ-Campaigning in die Medien schafft, dann ist das sehr schwach.»

Die Stadtratskandidatin kritisierte Hungerbühlers Inlandflug nach Sitten als unnötig und unökologisch. Dann wird Hungerbühler wieder in den Saal zurückbeordert. Der NZZ-Fotograf braucht noch ein letztes Bild. Zu fünft strahlen sie in die Kamera. Mal sehen, wie lange es so schön bleibt. Vor vier Jahren begannen die Sticheleien schon früh.

 

Quelle: Tagesanzeiger