Rot-grüne Kurzsichtigkeit

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Rot-grüne Kurzsichtigkeit

Der Gemeinderat will ein privates Kongresszentrum verhindern. Er ist so auf Wohnungen fixiert, dass er die wirtschaftliche Zukunft vernachlässigt.

Gleich zwei Auszeichnungen hat sich das Zürcher Stadtparlament am Mittwochabend verdient, als es ein privates Kongresszentrum auf dem Carparkplatz kategorisch ausschloss: den Solidaritätspreis der SP 5 und den internationalen Linksbauchpreis.

Das städtische Grundstück neben dem Hauptbahnhof ist der vom öffentlichen Verkehr besterschlossene Ort der Schweiz. Dennoch geht es den Vertreterinnen und Vertretern der Linken und Grünen dort nur um Mitsprache der Quartierbevölkerung und billige Wohnungen. Und obwohl sich unter den Promotoren des Kongresszentrums auch die Universität und die ETH befinden, tut die Mehrheit des Parlaments das Vorhaben als Spekulations- und Renditeobjekt ab. So viel Kapitalismuskritik Marke uralt ist nicht nachhaltig und peinlich für eine Regierungspartei wie die SP.

Das Kongresshaus ist zu klein

Es geht ja nicht darum, dass die Stadt ein Kongresszentrum baut. Neben dem teuren Umbau des Kongresshauses am See ist das ausgeschlossen. Aber die Stadt sollte nicht von Anfang an die private Initiative für ein solches Projekt abwürgen, das sie nichts kostet, das aber den Tourismus beflügeln und das internationale Renommee Zürichs bereichern könnte. Nicht Waffen- und Diamantenhändler würden hier ihre Versammlungen durchführen, sondern Zielgruppe sind Kongresse aus den Bereichen Cleantech, Lifesciences, Nanotechnologie, Informatik, Medizin, Klimaforschung und Ähnliches mehr. Auch die Weltkoryphäen der Dental­hygiene wären willkommen. Es geht um grosse, mehrtägige internationale Treffen, für die das Kongresshaus zu klein ist und die deshalb nie nach Zürich kommen.

Obwohl sie diese Kongresse in Zürich nicht wollen, geben sich die linken Gemeinderätinnen und Gemeinderäte dennoch als Experten. Sie behaupten: Das Angebot an Kongressräumen im Raum Zürich reiche, Kongresszentren würden nicht rentieren, ein solches in der Stadtmitte gebe es nirgends. Doch genau das ist ja die Chance in Zürich: ein Kongresszentrum nicht am Flughafen oder im Niemandsland, sondern mitten in der attraktiven Stadt, ähnlich dem KKL in Luzern, nur grösser, aber architektonisch gleich interessant. Über den weltweiten Kongressmarkt gibt es viele Zahlen und Studien und in der Praxis bessere und schlechtere Zeiten.

Quelle: Tagesanzeiger