Erste Aufwärmrunde der Stapi-Kandidaten

Erste Aufwärmrunde der Stapi-Kandidaten

Aus dem Landboten vom 14.11.17

WAHLKAMPF Filippo ­Leutengger gab im ersten Streitgespräch der Stadt­präsidiumskandidaten den Angriffigen. Amtsinhaberin Corine Mauch konterte kaum.

Die Rollen im Kampf ums Zürcher Stadtpräsidium sind klar: Amtsinhaberin Corine Mauch (SP) ist die Favoritin im links-grün dominierten Zürich. Der prominente Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) ist der Herausforderer und soll für echte Wahlkampfstimmung sorgen. Andreas Hauri (GLP) agiert als Aussenseiter und Pro-forma-Kandidat. Im Regionaljournal Zürich-Schaffhausen stritt das Trio gestern Abend erstmals miteinander. Eine Beurteilung:

Wie hat Leutengger seine Sache gemacht?
Rot-Grün ruhe sich in der Hängematte aus, statt sich für die Zukunft zu rüsten. Leutenegger plädierte für eine Verwaltungsreform und für sieben statt neun Stadträte. Er beschwor das finanzielle Klumpenrisiko, das die Stadt mit ihren Werken und den Spitälern trage. Für das Gewerbe sei die rot-grüne Verkehrspolitik tödlich. Leutenegger gab sich damit recht angriffig. Er adressierte seine Kritik aber immer ans rot-grüne Lager und vermied es, Mauch direkt anzugreifen. Leutenegger tat, was seine Rolle von ihm verlangt: etwas auf die Pauke hauen, aber nicht zu sehr, um das Verhältnis zur Stadtratskollegin im Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit nicht allzu sehr zu belasten.
Wie spielte Mauch ihre Rolle als Favoritin und Amtsinhaberin?
Sie wirkte eloquent und kompetent, aber defensiv. Die Angriffe auf das links-grüne Lager konterte sie nicht. Sie widersprach auch nicht, als Leutenegger die finanziellen Risiken der Stadt beschwor. Gut parierte sie einen Angriff von Hauri: Als dieser digitale Parkuhren für Zürich forderte,
erinnerte sie ihn daran, dass die Stadt dies 2018 einführen will. Hie und da markierte sie die Stadtmutter, die für alle schaut: Als Hauri eine Digitalisierungsoffensive forderte, entgegnete Mauch: «Es gibt viele in Zürich, die nicht online sind, auch sie müssen wir mitnehmen.»
Was machte Hauri aus seiner Aussenseiterrolle?
Der GLP-Kandidat muss keine Rücksicht auf Amtskollegen nehmen. Er geniesst also Narrenfreiheit. Doch daraus machte er wenig. Immer wieder sprach er von der Digitalisierung. Die Stadt müsste da viel mehr machen. Doch damit setzte er kein griffiges Thema, sondern wirkte eher technokratisch.
Wer bekannte am meisten Farbe?
Filippo Leutenegger. Dass die Stadtpolizei die Nationalitäten von Kriminellen nicht mehr nennt, findet er falsch. Mauch gab dazu keine klare Auskunft, Hauri ebenfalls nicht. Als es darum ging, die geplante Beschaffung von Kampfflugzeugen zu bewerten,
lavierten Mauch und Hauri. Leutenegger outete sich als Freund neuer Flugzeuge.
Wer geht als Sieger vom Platz?

Nach der 20-minütigen Diskussion ist keine klare Antwort möglich. Leutenegger steckte aber das Feld am klarsten ab und zeigte, wo und wie er angreifen will. Sein Attacken wirken zeitweise allerdings etwas gesucht. Mauch vergab einige Chancen beim Nichtkontern. Und Hauri hinterlässt den Eindruck, kein anderes Thema als die Digitalisierung zu haben.

Thomas Schraner